Kolumnen, Literatur, Medien, Politik, Sprache, Texte, Unterhaltung

Ich war schon mal in Australien

Die Frage „Und was machst du nach dem Abi?“ setzte viele Freunde von mir unter enormen Druck. Nach dem Abitur stehen alle Türen offen, etwas Neues beginnen und den eigenen Traum verwirklichen. Bei so vielen Möglichkeiten fällt die Entscheidung aber nicht gerade leicht. Für mich war lange klar in welche Richtung es gehen soll und damit gehörte ich zur Minderheit. Angelehnt an das Video „Wenn Freunde pausenlos mit ihrem AUSTRALIENURLAUB nerven“ möchte ich etwas bezüglich Australien schreiben.

Erstmal nach Australien“ – heißt es bei vielen nach dem Abitur. Vielleicht, weil sie noch nicht wissen wohin es gehen soll oder um Auslandserfahrungen zu sammeln. Vielleicht, weil viele aus dem Umfeld dorthin gehen oder vielleicht, weil Australien einfach cool ist. Aber wieso ist das so? Ich habe mich schon oft gefragt, wieso es so unglaublich viele Menschen nach Australien zieht. Ist es der Druck? Der Druck, nach dem Abitur etwas Besonderes zu machen, weil man das Abitur endlich in der Tasche hat. Also etwas Besonderes, im Sinne von Reisen und nicht im Sinne von arbeiten oder studieren. Vielleicht macht es auch die Sucht nach Individualität. Jeder will individueller, besser und erfolgreicher sein als der Andere, so sind Menschen eben gestrickt. Aber diese Individualität zerbricht doch, sobald es ALLE machen. Ich frage mich, ob es wirklich die eigene Entscheidung ist oder ob man sich vielleicht von Freunden beeinflussen lässt. Von Bekannten, die schon mal in Australien waren, die Tipps geben können und sagen „Da musst du unbedingt mal hin“. Dann wird einem selber die Entscheidung, was man nach dem Abitur macht, also abgenommen. Gerade dann, wenn man sowieso nicht weiß in welche Richtung es gehen soll, kann man eben auch leicht beeinflusst werden. Verrückt ist dabei nur, dass die, die in Australien waren, gar nicht so beeinflussbar wirken, sondern eher als die individuellsten und originellsten Personen gelten. Das meinen sie zumindest…

Das Video, das ich oben erwähnt habe, bringt es auf den Punkt. Es ist zwar eine überspitzte Darstellung, aber genauso habe ich es oft erlebt. „Ich war schon mal in Australien, für zwei Monate“ und da kann man mit einem Studium oder einer Ausbildung natürlich nicht mithalten, denn es klingt einfach langweilig. Vergessen sollte man aber nicht, dass man sich in der Zeit, wo andere im Ausland sind, weiterentwickelt und neuen Herausforderungen durch das Studium und die Ausbildung gewachsen ist. Mir ist es egal, was andere machen, aber ich finde es nicht gerechtfertigt, sich wegen eines Australien-Aufenthaltes vor mich zu stellen und zu denken: „Ich bin etwas Besseres“. Damit anzugeben, ist der falsche Weg!

Werbeanzeigen

8 Gedanken zu „Ich war schon mal in Australien“

  1. Hi Ann-Chris, es ist nie zu spät für eine Reise, wie ich finde. Jeder soll seinen eigenen Weg gehen und niemand soll für seine Entscheidung verurteilt werden, egal ob man gleich nach der Schule arbeiten, studieren oder reisen möchte. Alles zu seiner Zeit… Liebe Grüße, Dario 🙂

    Gefällt 2 Personen

  2. Hallo Ann-Chris, ich muss „Schrittweise“ zustimmen. Alles zu seiner Zeit. ich persönlich bin auch schon viel gereist. Aber ich kehre das nie heraus, da es eigene Erfahrungen sind und man diese Reisen nie projezieren kann und sollte. Jeder geht seinen Weg und erst wenn man ein gewisses Alter hat erkennt man auch, dass die Zukunft nicht in Urlaubstagen gerechnet wird, sondern in Lebens- und Alltagszeit. Sich eine gute Grundlage zu schaffen für sein zukünftiges Leben, bevor man dann seinen Blick in die weite Welt schweifen lässt, finde ich persönlich den besseren Weg. Aber, und das sind sicher die Leute, die du ansprichst mit deiner Kritik. Es gibt immer Menschen, die sind lauter, als andere und drängen sich gern nach vorn. Lass Dich von denen nicht nach hinten drängen. Einfach schmunzeln, zurück lehnen und daran denken, dass die Zeit für die eigenen Reisen, aus eigener Tasche bezahlt, noch rechtzeitig kommt und wenn es dann die selbst finanzierte Reise ist, dann ist sie umso schöner! Beste Grüße Matze Lentzsch

    Gefällt 1 Person

  3. Hi,
    ich bin gerade über deinen sehr interessanten Blogpost gestolpert. Ich war selbst ein Jahr in Australien und seit etwas über einer Woche zurück. Nach Abi und Ausbildung war der Wunsch woanders zuleben, zu reisen und unabhängig zu sein immer größer geworden. Aus meinen geplanten 7 Monate wurden schlussendlich 12, weil ich gemerkt habe, wie gut mir der Abstand von Zuhause getan hat.
    Ich stimme dir zu, dass das Thema Australien manchmal nerven kann, insbesondere wenn man selbst nicht dort war. Zudem stellt sich die Frage, wie individuell man wirklich ist, wenn es doch so viele machen.
    Ich kann nur dazu sagen, dass meine Großeltern durch ihre vielen Australienreisen mein Interesse für Australien geweckt haben. Ich habe so viele Reisende getroffen, Au-Pairs wie auch Backpacker und obwohl die meisten die gleichen Erwartungen an ihre Reise gestellt haben, ist doch jede Geschichte immer ganz individuell. Jeder erlebt seine Zeit anders und zieht seine ganz eigenen Schlüsse aus dieser Zeit.
    Letztendlich muss jeder selbst entschieden, was er mit seiner Zeit anstellt. Für manche spielt Reisen eben eine größere Rolle, als für Andere.
    Ich kann aber sehr gut verstehen, dass das Thema Australien oft Augenrollen hervorruft. Mir ging’s/geht’s manchmal selbst nicht anders. 😀

    Liebe Grüße
    Tatjana

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s